Interview

mit Carsten Reinhold

Interview mit Rhein Petroleum Geschäftsführer Dr. Carsten Reinhold über die Suche und Förderung von Erdöl in Süddeutschland

„Es ist sinnvoll, heimische Ressourcen zu fördern“


Herr Dr. Reinhold, Ihr Unternehmen ist seit einer großflächigen seismischen Untersuchung in den Jahren 2011 und 2012 auf der Suche nach heimischem Erdöl in Hessen, Baden-Württemberg und im Allgäu. Woran arbeiten Sie derzeit?

Dr. Carsten Reinhold: Wir bereiten aktuell eine vielversprechende Erkundungsbohrung westlich von Weinheim vor. Alle Genehmigungen liegen vor, sodass wir nach ausführlicher Information der Bürgerinnen und Bürger im Winterhalbjahr 2017/18 loslegen wollen. Darüber hinaus verfolgen wir weitere Projekte und sind in den Vorbereitungen für mögliche Aufsuchungsbohrungen im Raum Karlsruhe. Eines dieser Projekte ist demnächst beantragungsreif. Im südhessischen Riedstadt verläuft unsere Testförderung so erfolgreich, dass wir dort gerade die Genehmigung für einen mehrjährigen Permanentbetrieb einholen. Und auch im bayerischen Lauben sind wir gemeinsam mit unserem Konsortialpartner Wintershall aktuell in einer vielversprechenden Testförderung. Kurzum: Wir fördern Erdöl und bereiten neue Erkundungsbohrungen vor.

In Graben-Neudorf waren Sie jedoch nicht erfolgreich?

Reinhold: Die Bohrarbeiten an sich verliefen technisch hervorragend, aber wir haben letztendlich in der anvisierten Gesteinsstruktur zu wenig Erdöl angetroffen, um eine anschließende Testförderung wirtschaftlich vertreten zu können. Trotz allem war die Bohrung insbesondere aus geologischer Sicht nicht erfolglos. Denn bei jeder Bohrung lernen wir den Untergrund mit seinen Strukturen besser kennen, was uns bei unserer weiteren Arbeit hilft. Jede nichtfündige Bohrung gibt uns Aufschlüsse darüber, warum sie nicht fündig war.

Sie sehen das sehr entspannt....

Reinhold: Bei Erdölbohrungen gehören Fehlschläge dazu. Historisch gesehen liegt die Erfolgsquote im Oberrheingraben bei etwa eins zu vier. Danach brauchte man vier Bohrungen für eine Fündigkeit. Bei uns liegt die Quote bei etwa eins zu zwei – die von uns eingesetzte moderne Technologie, beginnend bei der Seismik bis hin zur Bohrtechnik, zahlt sich hierbei aus.

Und was passiert nun mit dem Bohrplatz in Graben-Neudorf?

Reinhold: Die Bohrung wurde verfüllt und wir haben alles zurückgebaut und begrünt, sodass dort nur noch eine Lichtung zu sehen ist, die im Frühjahr 2018 aufgeforstet werden wird. Jeder Bohr- und Förderplatz wird am Ende zurückgebaut und der Ausgangzustand wiederhergestellt. Dies ist gegenüber dem Bergamt verbindlich festgelegt und mit finanziellen Garantien abgesichert.

Rhein Petroleum hat 2011 die Arbeit aufgenommen mit dem Ziel nachzuweisen, dass es in Süddeutschland in ehemaligen Erdölfeldern und deren Umgebung noch förderungswürdige Mengen an Erdöl gibt. Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

Reinhold: Wir haben bisher drei fündige Bohrungen und sind daher durchaus mit dem bisher erbrachten Nachweis zufrieden. Letztendlich bedarf es aber noch weiterer Bohrungen, um die Frage schlussendlich beantworten zu können. Ich bin aber optimistisch, dass noch weitere Bohrungen fündig werden, und wir den wertvollen heimischen Rohstoff in größeren Mengen als heute fördern können.

Wie fällt Ihr Resümee nach den ersten Projekten aus?

Reinhold: Positiv! Die Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden sowie den Gemeinden und lokalen Behörden war zu jeder Zeit sehr konstruktiv und gut. Ein enger Austausch mit allen Behörden, Umwelt- und Naturschutzverbänden sowie der Bürgerschaft gehören ebenso dazu, wie eine offene Kommunikation unabdingbar zu unserem Geschäftsmodell gehört – und das bekommen wir positiv widergespiegelt. So haben wir bei allen Bohrungen stets vorab eine Bürgerinformation veranstaltet, die Umweltverbände informiert und während der Bohrung die Bevölkerung zu einem „Tag der offenen Tür“ eingeladen, der immer hervorragend angenommen wurde.
Auch von der technischen Seite sind wir sehr zufrieden: Die Bohrungen sind alle optimal und plangemäß verlaufen, unsere gesteckten Zeitrahmen haben wir eingehalten und sogar unterschritten.

Können Sie nachvollziehen, dass Menschen skeptisch sind, wenn bei ihnen nach Erdöl gebohrt wird?

Reinhold: Selbstverständlich. Die Bevölkerung will wissen, ob unsere Arbeit Auswirkungen auf die Umwelt hat. Wir nehmen diese Bedenken sehr ernst und treten immer in einen engen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Denn unsere Erfahrung zeigt: Man kann die Öffentlichkeit überzeugen, wenn man sie transparent und umfassend informiert und erklärt, wie die Arbeiten ausgeführt werden. Die heutige Technik und die Überwachung durch die Aufsichts- und Kontrollbehörden stellen sicher, dass es zu keinerlei Belastungen für Mensch und Natur kommt. Dabei hat der Schutz der Trinkwasser führenden Schichten immer oberste Priorität. In Deutschland sind die Bohrplätze komplett abgedichtet, sodass nichts in den Boden und das Grundwasser gelangen kann. Dies wird von unabhängigen Sachverständigen geprüft und abgenommen. Die Bohrungen selbst werden teleskopartig mit mehreren ineinander gelegten Rohren, die mit hochdichtem Zement abgedichtet werden, gesichert. Außerdem werden ausschließlich Materialien verwendet, die auch langfristig absolut sicher sind.

Kann bei der Förderung ein einsturzgefährdeter Hohlraum entstehen?

Reinhold: Nein, bei der Erdölförderung entstehen keine Hohlräume, die wie beim Untertagekohlebergbau verfüllt werden müssten. Erdöl befindet sich im Porenraum von durchlässigen Gesteinen wie zum Beispiel Buntsandstein. Entzieht man dem Gestein das Öl, drängt von unten Wasser in die freiwerdenden Poren nach. Es entstehen daher keine Hohlräume. Das Speichergestein bleibt unverändert stabil. Es gibt auch keinen unterirdischen Ölsee, den man abpumpen könnte.

Können Ölbohrungen Erdbeben auslösen?

Reinhold: Bei Ölaufsuchungsbohrungen gibt es keine Erdbeben, auch keine Mikrobeben – und dies gilt auch für eine sich anschließende Ölförderung. Die Universität Frankfurt ist dieser Frage wissenschaftlich nachgegangen und hat eine unserer ersten Bohrungen bei Stockstadt einem seismischen Monitoring unterzogen. Das Ergebnis war eindeutig: Es konnte keinerlei seismische Aktivität im Rahmen der Bohrung festgestellt werden. Wie auch? Unser Bohrstrang ist am Ende keine 30 Zentimeter dick. Ohnehin unterstützen wir die universitäre Forschung sehr intensiv und arbeiten mit verschiedenen Universitäten in Süddeutschland zusammen.

Und wie steht Rhein Petroleum zu Fracking?

Reinhold: Wir beschäftigen uns ausschließlich mit konventioneller Erdölförderung. Wir holen das Öl aus porösen und natürlich durchlässigen Gesteinen, wie etwa dem Buntsandstein. Öl ist leichter als Wasser und will daher nach oben. Mit einer Pumpe können wir diesen Aufwärtsdrang unterstützen. Bei der unkonventionellen Förderung, der Öffentlichkeit als Fracking bekannt, handelt es sich um eine Förderung aus Schichten, die von sich aus undurchlässig sind - etwa Schiefer. Um da ran zu kommen, müssen Risse im Gestein erzeugt werden, aus denen dann Gas oder Öl austreten können. Solch eine Förderung fällt nicht in den Geschäftsbereich der Rhein Petroleum.

Braucht es angesichts der Energiewende überhaupt noch eine Erdölförderung?

Reinhold: Ja, absolut! Die erneuerbaren Energien ersetzen immer mehr die fossilen Energieträger – und das ist auch absolut richtig. Wir sind nicht gegen die Energiewende, sondern befürworten sie uneingeschränkt. Aktuell wird regenerative Energie hauptsächlich für die Stromerzeugung eingesetzt und Erdöl ist nach wie vor als Überbrückungstechnologie unverzichtbar für die Mobilität – und hier nicht nur für den Individualverkehr, sondern auch für den Güterverkehr per LKW, Schiff oder Flugzeug. Hinzu kommt, dass Erdöl ein ungemein wichtiger Ausgangsstoff für unzählige Produkte ist, die wir im Alltag nutzen: Von Möbeln, über Kunststoffe bis hin zu Kosmetika oder Arzneimitteln – überall steckt Erdöl drin. Aus diesem Grund wird Erdöl als wichtiger Rohstoff für die Industrie auch nach einer erfolgreich abgeschlossenen Energiewende eine hohe Bedeutung haben.

Und warum setzen Sie auf eine Förderung in Deutschland?

Reinhold: Die Vorteile liegen auf der Hand: In Deutschland gefördertes Rohöl hat wegen der kurzen Transportwege bedeutend weniger CO2-Emissionen als importiertes. Statt tausende von Kilometern legt unser gefördertes Öl nur wenige Kilometer bis zur Raffinerie in Karlsruhe zurück. Dadurch werden Treibhausemissionen vermieden, die ansonsten beim Transport anfallen würden – immerhin bis zu 2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Hinzu kommt: Knapp ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Erdöls kommt aus Ländern, die in keiner Weise unseren Ansprüchen an Natur- und Umweltschutz genügen. Bei in Deutschland gefördertem Erdöl können wir sicher sein, dass dies nach strengsten technischen und umweltschonenden Standards geschieht. Mit der Produktion heimischen Erdöls übernehmen wir damit auch ein Stück weit Verantwortung. Aktuell werden in Deutschland jährlich 2,4 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Das entspricht rund drei Prozent des in Deutschland verbrauchten Öls.

Als Sie 2011 loslegten, lag der Ölpreis zeitweise über 100 Dollar. Bereitet ihnen heute der niedrige Ölpreis Sorgen?

Reinhold: Nicht wirklich. Natürlich ist ein höherer Ölpreis für uns wünschenswert. Aber unsere Projekte sind sehr robust, so dass wir mit dem derzeitigen Ölpreis problemlos wirtschaftlich arbeiten können. Außerdem wissen wir, dass der Ölpreis stets Schwankungen ausgesetzt war, und haben dies in unseren Berechnungen berücksichtigt. Wir werden zum Beispiel bei Riedstadt voraussichtlich über 20 Jahre Öl fördern, daher denken wir langfristig und arbeiten mit einer Mischkalkulation bezüglich des Ölpreises. Die Ölpreiszyklen dauern immer nur einige Jahre, es ist also davon auszugehen, dass der Ölpreis absehbar auch wieder steigen wird. Außerdem ist der Ölpreis nur einer von mehreren Faktoren, ob sich eine wirtschaftliche Förderung lohnt: Die erwartete Fördermenge und der Förderzeitraum sind ebenfalls entscheidende Aspekte. Und die bereits angesprochenen kurzen Transportwege und die damit zusammenhängenden geringen Transportkosten erlauben uns, auch kleinere Ölvorkommen zu fördern.

Es ist immer wieder zu hören, dass die Qualität des Erdöls aus dem Oberrheingraben so gut sein soll?

Reinhold: Das stimmt. Das süddeutsche Öl ist ein leichtes, süßes, also schwefelarmes Öl, welches aufgrund seiner hohen Qualität bei den Raffinerien sehr beliebt ist und das aufgrund seiner wertvollen Bestandteile auch als Ausgangsprodukt für die chemische Industrie sehr gefragt ist. Leichte Öle haben ein günstigeres Wasserstoff/Kohlenstoffverhältnis und verbrennen weniger CO2-intensiv als schwere Öle.

Erzielt man damit höhere Preise?

Reinhold: Ja, die Preise sind abhängig von der Qualität des Öls. Leichte Öle haben wegen des geringeren Raffinationsaufwands einen höheren Marktwert.

Abschließende Frage: Was treibt Sie persönlich an, in Deutschland Öl zu suchen und zu fördern?

Reinhold: Ich war viele Jahre weltweit aktiv in der Suche nach Erdöl und Erdgas, insbesondere im Mittleren Osten und in Nordafrika aber auch in Europa. Nun eine mittelständisch strukturierte Erdölfirma in Deutschland gemeinsam mit einem ungemein erfahrenen und motivierten Team mit aufzubauen und zum Erfolg zu führen, ist eine tolle Herausforderung. Den Nachweis zu bringen, dass dort, wo bereits vor vielen Jahrzehnten Erdöl gefördert wurde, weitere förderungswürdige Mengen vorhanden sind, macht viel Freude. Es ist meine persönliche Überzeugung, dass es angesichts der zuvor ausgeführten Aspekte sehr sinnvoll ist, heimische Ressourcen zu fördern.

Stand Juli 2017