Interview

Interview mit Michael Suana
„Vor einer möglichen Ölförderung steht eine Probebohrung“

Interview im Januar 2013 mit Michael Suana, Geschäftsführer Rhein Petroleum, zum Abschluss der Seismik-Kampagne, zu Deutschland als Rohstoffland und zu möglichen Probebohrungen.

Rhein Petroleum hat die größte Seismik-Kampagne in Europa der vergangenen Jahre abgeschlossen. Welche Erfahrungen nehmen Sie daraus mit?
Suana: Insgesamt haben wir eine Gesamtfläche von rund 760 Quadratkilometern in drei Bundesländern – Bayern, Baden-Württemberg und Hessen – untersucht. Das Wichtigste ist:  Alle Arbeiten konnten ohne Zwischenfälle und Unfälle sowie im vorgesehenen Zeitrahmen ausgeführt werden. Zu verdanken haben wir das zu einem großen Teil dem Verständnis der Bevölkerung und der guten Zusammenarbeit mit allen zuständigen Gemeinden, Behörden und Ämtern. Es war uns immer ein großes Anliegen, die Menschen transparent über unser Vorhaben zu informieren und die eingesetzte Technik zu erläutern. Mit Bürgerveranstaltungen, öffentlichen Vorführungen oder Informationsbroschüren haben wir über die einzelnen Schritte informiert. Außerdem haben wir Info-Büros eingerichtet, in denen die Menschen mit uns ins Gespräch kommen und sich anhand von Plänen informieren konnten, wo wir tätig sind und wie die Seismik im Einzelnen abläuft.

Sie sind mit großen Fahrzeugen auch durch bewohnte Gebiete und Innenstädte gefahren. Wie haben die Menschen darauf reagiert?
Suana: Das Interesse war groß und viele Anwohner haben die Gelegenheit genutzt, sich die außergewöhnlichen Aktivitäten anzuschauen und mit unseren Mitarbeitern zu sprechen. Wir haben festgestellt, dass die Menschen sehr gut informiert waren und detailliert Fragen zur Technik und zum Vorhaben gestellt haben.

Die neuen technischen Möglichkeiten sowohl beim Bohren als auch bei der 3D-Seismik waren die Gründe neben der Wirtschaftlichkeit, dass man noch einmal Gebiete unter die Lupe genommen hat, in denen bereits früher Erdöl gefördert wurde. Worin liegt der Unterschied zwischen einer seismischen Kampagne in den 1970er oder 1980er Jahren und heute?
Suana: Die Unterschiede sind beträchtlich, obwohl es sich nach wie vor um dieselbe akustische Methode handelt. Doch das Verfahren ist sehr viel weiter ausgefeilt, sodass heute flächendeckend Strukturen im Untergrund erkennbar sind und am Ende dreidimensional dargestellt  werden können. Früher handelte es sich nur um einzelne Schnitte durch den Untergrund, die im Abstand von zwei oder drei Kilometern gemacht wurden. Außerdem erreichen wir heute eine viel bessere Auflösung, sodass Strukturen in eine Tiefe von bis zu drei Kilometern erkannt werden können.

Wieviel hat Rhein Petroleum bisher investiert?
Suana: Die Seismik hat insgesamt rund 20 Millionen Euro gekostet.

Rhein Petroleum ist eine kleine Firma mit überschaubarem Management. Warum war es gerade eine so kleine Firma, die diese große Seismik-Kampagne durchgeführt hat?
Suana: Auch wenn wir klein sind, verfügen wir alle doch über sehr viel Erfahrung bei der Suche und der Förderung von Erdöl. Wir haben uns früh für diejenigen Gebiete in Süddeutschland interessiert in denen früher Erdöl gefördert wurde und konnten uns die entsprechenden Lizenzen sichern. Wir sind der Meinung, dass dort noch Potenzial in förderungswürdiger Menge existiert. Um dies abzuklären, haben wir nun großflächig den Untergrund neu vermessen. Auch große Firmen sind sich inzwischen des Wiedererschließungspotenzials von Altfeldern auch in unseren Lizenzgebieten bewusst.

Wann wurden die ersten Lizenzen erworben?
Suana: Nachdem in Speyer im Jahr 2003 durch Zufall eine große Erdöllagerstätte gefunden wurde und dort 2007 auch die Förderung begann, hat sich Rhein Petroleum um die ersten Lizenzgebiete in Süddeutschland bemüht. Heute ist Rhein Petroleum neben der GDF Suez Hauptlizenzhalter im Oberrheingraben.
Insgesamt wurden bisher in sechs Lizenzgebieten in drei Bundesländern die seismischen Messungen durchgeführt. Rhein Petroleum hat aber noch für weitere Gebiete die Lizenzen erworben, unter anderem im Oberrheingraben bei Offenburg. Was passiert dort aktuell?
Suana: Bisher haben wir den Fokus auf die Gebiete nördlich von Karlsruhe gelegt, da dort in der Vergangenheit Erdöl gefördert wurde. Südlich von Karlsruhe haben wir auch Lizenzgebiete, die wir derzeit geologisch bewerten, um dann vielleicht bis 2014 auch dort den Untergrund zu untersuchen. Wo das sein wird hängt von den geologischen Studien ab, die gerade erstellt werden.

Was muss man sich unter solch einer geologischen Studie vorstellen? Was wird da bewertet und untersucht?
Suana: Zuerst werden bereits vorhandene alte Daten aufgearbeitet. Man bemüht sich um alte Berichte und Informationen aus früheren Bohrungen und früherer Seismik. Die werden dann zusammengeführt und neu bewertet, um abzuschätzen, ob und wieviel Potenzial in diesen Gebieten noch vorhanden sein könnte.

Was passiert aktuell in den Gebieten, in denen die Seismik abgeschlossen wurde?

Suana: Die Seismik hat enorme Datenmengen produziert, die in speziellen Rechenzentren verarbeitet werden. Dabei werden aus diesen Daten dreidimensional interpretierbare Bilder des Untergrunds erzeugt. Derzeit sind rund 90 Prozent der Daten verarbeitet. Parallel dazu haben wir schon mit der Auswertung der Daten begonnen. Hierbei geht es um eine Interpretation der Bilder, die aus Reflexionsdaten bestehen. Interpretation bedeutet, dass aus den Reflexionsdaten abgeleitet wird, welche Schichten abgebildet sind und wie sich die Strukturen im Untergrund aufbauen. Diese Arbeit wird uns bis in den Sommer 2013 hinein und darüber hinaus beschäftigen. Das wichtigste Ziel dieser Arbeit ist es, mögliche Bohrziele im Untergrund genau zu definieren, um dann  Probebohrungen zu erwägen. Wo diese genau sein werden, ist noch nicht bekannt. Sobald diese Ziele fest stehen und Probebohrungen erwogen werden, werden wir unverzüglich die jeweiligen Gemeinden informieren.

Dass es Erkundungsbohrungen gibt, das steht aber fest?
Suana: Ja, davon gehen wir aus. Die Seismik dient dazu, Hinweise zu erhalten, wo sich Erdöl befinden könnte. Der Nachweis kann schlussendlich nur durch eine Probebohrung erbracht werden.

Wenn eine Probebohrung erfolgt ist und keine förderungswürdige Menge gefunden wird, was passiert dann?
Suana: Die Aufsuchungsarbeit ist ein Risiko, was bedeutet, dass man auch nicht fündig werden kann. Wir werden voraussichtlich mehrere Probebohrungen abteufen – natürlich mit der Hoffnung, an jeder Stelle auch so viel Erdöl zu finden, dass sich eine Förderung lohnt. Sollte dies an einer Stelle nicht so sein, wird der Bohrplatz vollständig zurückgebaut. Das heißt die Bohrung würde verfüllt und der Platz in seinen ursprünglichen Zustand wiederhergestellt werden.

Wie lange dauert eine Probebohrung? Und wann steht fest, dass es zu einer langfristigen Förderung kommt?
Suana: An eine erfolgreiche oder wie wir auch sagen „fündige“ Probebohrung schließt sich die Prüfung der Ergiebigkeit an: Über einen bestimmten Zeitraum, der sich über mehrere Monate erstrecken kann, werden die Förderraten gemessen, um daraus abzuleiten, ob sich eine wirtschaftliche Erschließung und Förderung lohnen könnten. Mit anderen Worten: Auch wenn im Anfangsstadium Erdöl gefunden wird, ist noch nicht sicher, ob eine Förderanlage gebaut wird.

Welche Förderraten brauchen Sie?
Suana: Eine Zahl zu nennen ist sehr schwierig. Es handelt sich um eine Kosten-Ertragsrechnung. Es kann sein, dass kleine Mengen, die gut erreichbar sind, wirtschaftlich besser dastehen, als große Mengen, die nur mit großem Aufwand erreichbar sind.

Was kostet eine Probebohrung?
Suana: Auch hier kommt es auf verschiedene Kriterien an: Der wichtigste Aspekt ist: Welche Gesamtlänge hat die Bohrung? Dies hängt zum einen von der Tiefe der Bohrung ab und zum anderen davon, wie stark die Bohrung abgelenkt werden muss. Denn Rhein Petroleum wird eine Förderanlage nur außerhalb von Wohngebieten, etwa in einem Industriegebiet, errichten. Das kann zur Folge haben, dass wir ein bis zwei Kilometer schräg oder sogar horizontal bohren, wodurch sich der Bohrpfad entsprechend verlängert. In jedem Fall sind die Kosten im siebenstelligen Bereich.

Können die Ergebnisse auch jenseits der Erdölsuche für andere Projekte von anderen Unternehmen oder Kommunen genutzt werden?
Suana: Rhein Petroleum verfolgt eine Politik, die im Zuge der Energiewende auch die Aufsuchung von geothermischen Energiequellen unterstützt. Dabei kann die neue 3D-Seismik sehr hilfreich sein.

Würde Rhein Petroleum selbst Geothermieprojekte durchführen?
Suana: Nein. Der Geschäftsbereich der Rhein Petroleum ist die konventionelle Aufsuchung und Förderung von Erdöl im süddeutschen Raum. Darüber hinaus haben wir auch nicht die entsprechenden Lizenzen und Aufsuchungsrechte für Erdwärme. Wir sind aber selbstverständlich bereit, bei Kostenbeteiligung die Aufsuchung von Erdwärme zu unterstützen, etwa durch Weitergabe von 3D-Daten.

Gibt es schon Anfragen?
Suana: Ja, wir wurden bereits von verschiedenen Unternehmen und Kommunen angefragt und stehen diesbezüglich in Verhandlungen.

Wie sieht das Genehmigungsverfahren für eine Probebohrung aus?
Suana: Jede Aufsuchungstätigkeit ist betriebsplanpflichtig und jedes Gesuch wird vom Bergamt eingehend und kritisch geprüft. Wie für die Seismik müssen auch für eine Probebohrung dabei strikte Auflagen der Bergämter und den beteiligten Behörden, Kommunen und Trägern öffentlicher Belange erfüllt werden, deren genaue Befolgung das Bergamt auch streng überprüft. Neben der Gewährleistung des Umwelt- und Wasserschutzes wie auch des Natur- und Artenschutzes muss auch gewährleistet sein, dass Menschen in der Nähe keinerlei Belästigungen ausgesetzt sind und im Vorfeld wie auch während den Arbeiten offen und transparent informiert werden. Schließlich muss auch der geologische Nachweis erbracht werden, dass sowohl Ort wie Untergrund für eine sichere Errichtung einer Anlage geeignet sind.
 
Wie sieht eine Bohranlage aus? Wieviel Fläche braucht sie? Sieht man von außen, dass dort Erdöl gefördert wird?
Suana: Es gilt zu unterscheiden zwischen Erdölförderung und Aufsuchungsbohrung. Bei der eigentlichen Förderung ist an der Oberfläche außer recht unscheinbaren Produktionsanlagen wenig zu sehen. Die Bohranlage selbst ist nur während der Ausführung einer Bohrung zu sehen – je nach Tiefe der Bohrung drei bis zehn Wochen lang. Die Bohranlage passt auf die Größe des Parkplatzes eines kleineren Supermarktes. Sichtbar ist vor allem der Bohrturm, der mehr als 20 Meter hoch sein kann. Sämtliche Anlagen um diesen Bohrplatz sind in Containern untergebracht, so dass es wie eine kleine Wagenburg ausschaut.

Wer baut solch eine Bohranlage? Sind das Spezialisten etwa aus dem arabischen Raum?
Suana: Nein, die Technik kommt aus Deutschland. Deutschland hat eine über 100-jährige Tradition in der Erdölförderung. Bundesweit sind über 500 Felder bekannt, die zum Teil heute noch in Produktion sind. Daraus hat sich eine Technologieindustrie entwickelt, die von den Bohranlagen bis zu den Förderanlagen zu den besten weltweit gehört. Daher werden wir wo möglich deutsche Bohranlagen einsetzen.

Es werden immer wieder Bedenken geäußert, dass es bei einer Erdölbohrung zu einer Verunreinigung des Erdreichs oder des Grundwassers kommen könnte.
Suana: Bergämter und alle Träger öffentlicher Belange, insbesondere der Umweltbehörden, sind sich der Fortschritte der Technologie bewusst. Gerade in Norddeutschland finden auch ständig zahlreiche Bohrungen statt, die belegen, dass wir heute Bohrtätigkeiten so ausführen können, dass sie auf keine Weise schädlichen Einfluss auf Umwelt und Menschen haben. Rhein Petroleum gewährleistet absolut umweltverträgliche Arbeiten: Die Bohrplätze sind komplett abgedichtet, sodass nichts in den Boden und das Grundwasser gelangen kann. Die Bohrungen selbst werden teleskopartig mit mehreren ineinander gelegten Rohren, die mit hochdichtem Zement abgedichtet werden, gesichert. Außerdem werden ausschließlich Materialien verwendet, die auch langfristig absolut sicher sind.

Kann bei der Förderung ein Hohlraum im Untergrund entstehen?
Suana: Nein, bei der Förderung von Erdöl entstehen keine Hohlräume wie zum Beispiel beim Untertagekohlebergbau. Erdöl kann im Porenraum von durchlässigen Gesteinen wie zum Beispiel dem überall bekannte Buntsandstein vorkommen. Dort verdrängt es das überall vorhandene Wasser. Bei der Förderung ersetzt natürlich nachfließendes Wasser das ausgetretene Erdöl. Es entstehen daher auch keine Hohlräume. Das Speichergestein ist und bleibt natürlich standfest.

Worin liegt der Unterschied zwischen konventioneller und unkonventioneller Förderung?
Suana: Rhein Petroleum beschäftigt sich ausschließlich mit konventioneller Erdölförderung. Bei konventioneller Förderung handelt es sich um die Förderung von Erdöl, das sich in porösen und durchlässigen Gesteinen angesammelt hat. Es wird der natürliche Aufwärtsdrang des Öls genutzt und mit einer Elektropumpe unterstützt. Bei der unkonventionellen Förderung und insbesondere bei der Förderung von Schiefergas handelt es sich um eine Förderung aus Schichten, die von sich aus undurchlässig sind. Daher müssen mithilfe von hydraulischen Verfahren Risse in den Gesteinen erzeugt werden, die dann das Austreten von Gas ermöglichen. Solch eine Schiefergasförderung fällt nicht in den Geschäftsbereich der Rhein Petroleum. Somit wird auch das so genannte Fracking als Mittel zum Aufreißen nicht durchlässiger Gesteinsschichten, nicht von Rhein Petroleum angewandt.

Kommen wir zur eigentlichen Förderung. Wie lange könnte eine Anlage produzieren und maximal in Betrieb sein?

Suana: Je nach Ergiebigkeit eines Ölfelds kann es sein,  dass eine Förderanlage viele Jahre in Betrieb ist. Bei größeren Vorkommen können 15 Jahre durchaus überschritten werden. Die Felder Landau und Eich, beide im rheinland-pfälzischen Teil des Rheingrabens, fördern sogar schon seit den 1950er Jahren. Bei kleineren Vorkommen kann es sein, dass die Anlage nach fünf Jahren wieder abgebaut wird.

Wer direkt über einem Gebiet wohnt, wo im Untergrund gefördert wird, bekommen diese Anwohner von den Arbeiten etwas mit?
Suana: Nein. Die Förderung findet schließlich in mindestens in einem Kilometer Tiefe statt und die Rohre haben einen Durchmesser von maximal 15 bis 20 Zentimetern. An der Oberfläche ist hierbei absolut nichts zu bemerken.

Was passiert direkt nach der Förderung mit dem Öl?
Suana: Bei der Förderstelle am sogenannten Bohrkopf wird das Öl abgefangen und kommt in einen Abscheidungstank, der mithilfe der Schwerkraft das Öl vom mitgeförderten Wasser trennt. Bei  kleineren Produktionen wird dann das Öl per Lkw zur nächsten Raffinerie, also beispielsweise nach Karlsruhe gebracht. In der Regel sind das nur ganz wenige Lkw pro Tag. Bei einer größeren Fördermenge würde eine Leitung, also eine Pipeline, gelegt, um das Öl direkt zur Raffinerie oder zu einer Sammelstelle abzuführen.

Sie haben weltweit schon nach Erdöl gesucht und gefördert. Was ist das Besondere, in Deutschland zu fördern?
Suana: Zuerst muss man sich vergegenwärtigen, dass Deutschland ein Rohstoffland ist und schon immer gewesen ist. Aktuell deckt Deutschland etwa drei Prozent seines Erdölbedarfs und 17 Prozent seines Erdgasbedarfs aus eigener Förderung ab. Wir sind also bereits Erdöl- und Erdgasproduzenten. Eine besondere Herausforderung liegt sicherlich darin, mittels fortgeschrittener Technologie und wegen der gestiegenen Energiepreise vorhandenes, ungenutztes Potenzial in Deutschland zu fördern. Auch wenn wir dadurch nicht autark gegenüber Öl werden. Gerade in Zeiten der Energiewende können wir die Förderung heimischer Rohstoffe jedoch als Überbrückung sehen. Es macht Sinn, den Anteil an eigenen Ressourcen zu steigern, anstatt ausländisches Öl teuer zu importieren. Gerade auch, wenn man sich die Ökobilanz eines eingeführten Fasses Öl anschaut: Das Öl wird tausende Kilometer von uns entfernt gefördert zu Bedingungen, die wir weder kontrollieren noch beeinflussen können. Dann wird das Öl auf einen Tanker geladen, der eine Reise von rund 15.000 Kilometern ums Kap Horn herum auf sich nimmt, um an einen europäischen Hafen zu gelangen. Von dort geht die Reise weiter  bis zu einer deutschen Raffinerie. Ein beträchtlicher Teil des Öls bleibt dabei buchstäblich auf der Strecke. Die Energiebilanz fällt eindeutig zugunsten des einheimischen Öls aus. Wenn wir Öl im Rheintal fördern sind es meistens weniger als 100 Kilometer bis zur Raffinerie in Karlsruhe. Darüber hinaus ist es eine besondere Herausforderung, in dicht besiedeltem und intensiv genutzten wie auch intensiv geschütztem Umfeld zu operieren. Wir bei Rhein Petroleum sind uns bewusst, dass es neben absoluter fachlicher Kompetenz mehr braucht, nämlich eine offene und transparente Informationspolitik, der wir auch gewissenhaft nachgehen.

Gibt es einen Wettbewerb der Kommunen, die Rhein Petroleum mit einer Förderanlage gerne auf ihrem Territorium hätten?
Suana: Ölvorkommen richten sich nicht nach Gemeindegrenzen. Eine Förderung findet dort statt, wo sie wirtschaftlich sinnvoll ausgeführt werden kann. Und diese Wirtschaftlichkeit führt dann auch dazu, dass es zu Steuerzahlungen kommen kann, was auch Gewerbesteuern mit einschließt, die den betroffenen Kommunen direkt zugute kommen. Hinzu kommen Arbeitsplätze und die Nachfrage nach Dienstleistungen. In jeder Hinsicht profitieren daher die Gemeinden von einer erfolgreichen Förderung.

Wie ist die Qualität des deutschen Erdöls?
Suana: Vor allem das süddeutsche Öl ist von ausgezeichneter Qualität. Es ist ein leichtes, süßes Öl, das aufgrund seiner wertvollen Bestandteile nicht nur zur Verbrennung, sondern auch als Ausgangsprodukt für die chemische Industrie dienen kann und somit für weitere Produkte verarbeitet werden kann. Leichte Öle haben ein günstigeres Wasserstoff/Kohlenstoffverhältnis. Das bedeutet, dass diese Öle bei der Verbrennung vergleichsweise weniger CO2 intensiv verbrennen.

Erzielt man mit guter Qualität auch höhere Preise?
Suana: Ja, die Preise sind abhängig von der Qualität des Öls. Leichte Öle haben wegen des geringeren Raffinationsaufwands einen höheren Marktwert.

Angesichts erneuerbarer Energien: Ist Erdölförderung nicht ein Anachronismus?
Suana: Ein Anachronismus wäre es, wenn die Politik ausschließlich auf fossile Kraftstoffe setzen würde. Das ist nicht so. Die Energiewende ist eingeleitet worden und erneuerbare Energien ersetzen immer mehr die hergebrachten Energieformen. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Wir können noch lange nicht vollständig auf fossile Energien verzichten. Angesichts der angesprochenen Ökobilanz importierten Öls und auch aus volkswirtschaftlichen Aspekten ist es sicher besser, heimische Ressourcen zu fördern, als das Öl im Ausland zu kaufen. Man darf nicht dem Trugschluss verfallen, dass ein Nicht-Fördern einheimischer Ressourcen Einfluss auf die Geschwindigkeit der Umsetzung der Energiewende haben könnte. Wenn es kein einheimisches Öl gibt, wird es einfach importiert.

Dr. Suana, seit wie vielen Jahren sind Sie in der Branche tätig?

Suana: Seit 1983 habe ich auf der ganzen Welt für verschiedene Firmen Erdöl gesucht, gefunden und gefördert.

Was hat sich in diesen knapp 30 Jahren verändert?

Suana: Es hat enorme Entwicklung in der Aufsuchungs- und Förderungstechnologie stattgefunden, die uns heute erlaubt, die Erschließung von Feldern in Betracht zu ziehen, die man vor 30 Jahren nicht angegangen hätte.

Danke für das Gespräch.